Jungfernschaft

Sophie Andresky

von Sophie Andresky

Hier mal eine kleine Quizfrage: Was bedeutet eigentlich Jungfernschaft? Im ersten Moment fand ich diese Überlegung völlig widersinnig: Eine Frau, die noch keinen Sex hatte, ist eine Jungfrau, richtig? Für manche Menschen ist diese Unberührtheit immer noch gekoppelt mit Begriffen wie Reinheit, Ehre oder Unschuld. Und jetzt wird es schwierig, denn je länger man über diese Jungfräulichkeitskiste nachdenkt, umso vertrackter wird das Ganze.

Woran macht man die Jungfräulichkeit fest? Am Jungfernhäutchen? Was ist dann mit Frauen, die ohne eines geboren wurden oder die es durch Tampons oder beim Sport zerrissen haben? Sind die dann nicht mehr jungfräulich? Und was ist mit den Mädels, die zwar ein 1a-Hymen haben, aber jeden Abend wilden Analsex betreiben? Hat das dann was mit Unschuld zu tun? Liegt es vielleicht daran, dass man mit einem Partner irgendwie undefiniert „zusammen“ war? Was ist denn mit Frauen, die am Jungfernhäutchen vorbei masturbieren und Orgasmen ohne Ende haben? Unschuldig? Und warum entscheidet sexuelle Aktivität über die Ehre einer Frau? Oder – noch bescheuerter – über die Ehre von Brüdern, Vätern, Onkeln und der ganzen Sippschaft? Und wenn es so ist, bedeutet das dann, dass Sex aus einem unschuldigen Menschen einen schuldigen macht? Schuldig für was? Und warum unrein? Und gesetzt den Fall, das sei so, warum betrifft es dann nur die eine Hälfte der Menschheit und nie die Jungs? Die haben nicht mal ein vernünftiges Wort dafür, entjungfert zu werden. „Entbubung“ klingt ja niedlich, ist aber doch eher ein Scherzbegriff. Schlampen sind immer Frauen, aber tolle Hechte oder Casanovas immer Männer. Mit unserer Gleichberechtigung ist es bei diesem Thema nicht weit her.

Und bevor jetzt alle mit den Fingern auf eine bestimmte Religionsgruppe zeigen: Ich bin katholisch aufgewachsen, und da gab es das System der Jungfräulichkeit ganz genauso. Jungfräulichkeit war etwas, das wir Mädels schützen und bewahren mussten, als wäre es ein heimlicher Bausparvertrag. Dass der Ruf einer Frau an ihrer sexuellen Aktivität gemessen wurde, war in meiner Jugend völlig normal, und ich habe nicht den Eindruck, dass sich daran etwas geändert hat. Wir werden zwar überflutet mit Pornos und immer schrillerem Gevögel, aber zu mehr Natürlichkeit im Umgang mit unseren Körpern hat das nicht geführt. Eine neue Verklemmung greift um sich, ich finde das gruselig. Deshalb gefällt es mir immer, wenn Frauen ganz selbstverständlich und ruhig auch ein bisschen aggressiv mit ihrer Sexualität umgehen. Tobt euch aus, Mädels. Macht nichts, was ihr nicht wollt, aber lasst euch nichts entgehen, das ihr gern tun würdet! Übrigens soll Jungfräulichkeit (genauer gesagt: Deflorationsblut) dem Aberglauben nach gegen Krankheiten und Altern helfen – das funktioniert so gut wie gemahlenes Einhorn-Horn, versprochen!

 

Mehr von der Autorin auf www.sophie-andresky.de und in ihrem  neuen erotischen Roman:

Sophie Andresky

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In Berlin gehen die Wilden Zwanziger nie vorbei. Immer noch versammelt sich hier aller Wahnsinn der Zeit und tanzt auf dem Vulkan: Die Jünger der Elysischen Erotik, geschäftstüchtige Dominas, Pornofilm-Produzenten, Burlesque-Stripperinnen oder Masturbationsworkshops: Sie alle versammeln sich im „Elysischen Zentrum der Lust“, das die junge Georgie mit viel Leidenschaft führt. Georgie ahnt noch nicht, dass sie in einem Haus lebt und liebt, dessen Geheimnisse in die Roaring Twenties führen mit den Nackttänzen, den Hellsehern, Flüsterkneipen und der saftig-prallen Liebe jener Zeit.

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